Tag 061 - Stimmung auf dem Nullpunkt

MI, 27.05.2015 – Stimmung auf dem Nullpunkt
Ankara

Fahrt zur Schule
Mit Efser, die ich beim Blueskonzert am ersten Abend kennen gelernt habe, treffe ich mich vor dem Hostel. Zusammen mit ihr will ich mit dem Taxi zur Schule fahren, die sich im Nordosten des Stadtteils Altındağ befindet. Ich bitte sie mitzufahren, weil ich mich alleine einfach zu unsicher fühle, mich dort aufzuhalten. Zweitens ist es nicht schlecht, jemanden dabeizuhaben, der türkisch spricht. Der Fahrer muss sich mehrmals bei Kollegen und Leuten auf der Straße erkunden, wo sich die Straße befindet. Bei der Fahrt wird mir klar, dass es sehr gut war, nicht mit dem Rad hinzufahren. Die Strecke ist schwierig zu finden und gefährlich wegen dem Verkehr.
Das Viertel um die Schule ist recht arm. Im Gebäude sind zwei Schulen untergebracht: Eine reguläre Schule und die des Flüchtlingsdienstes der Jesuiten. Die reguläre Schule ist geöffnet, die der Jesuiten wie gesagt seit letztem Samstag geschlossen. Das ist sehr schade und auch frustrierend, denn somit kann ich nicht sehen, wofür die Spenden benutzt werden. Vor allem hätten mich die Kinder interessiert, mit denen ich mich sehr gerne unterhalten hätte. Auch Kontakt zu den Lehrern, ihren erzieherischen und sozialen Aktionen, wäre für mich sehr interessant gewesen, da ich momentan selbst an Schulen arbeite. Um den Spendenfluss zu steigern, hätte ich natürlich auch ein Foto für die Presse machen können. Nun stehe ich vor einer geschlossenen Schule ohne Lehrer und ohne Kinder. Nicht mal mein Velo habe ich dabei. An private Besuche in dem Viertel denke ich gar nicht, dazu scheint mir die Lage zu angespannt zu sein. Es fällt mir schon ein wenig schwer, mich in einigen kleinen Läden zur Lage in dem Viertel und der Schule zu erkundigen. Ich bin wirklich zu einem äußerst ungeschickten Zeitpunkt gekommen. Immerhin bekomme ich so aus erster Hand mit, wie schwierig die Lage von syrischen Flüchtlingen in der Türkei ist. Und wenigstens erfahre ich, dass die Kinder nun in einer anderen Schule unterrichtet werden. Insgesamt bin ich aber sehr enttäuscht und muss ensthaft darüber nachdenken, ob und wie ich die Spendenaktion weiterführen will. Ich hatte auf dieser Tour schon genügend Probleme, dieses hier ist aber kein zeitliches Problem oder regt mich einfach nur auf wie der permanente Gegenwind. Dieses Problem geht mir einfach sehr tief ans Herz.

 

Stimmung auf dem Nullpunkt

Abends ist es wie bei fast jedem Update meiner Seite, was einige Stunden in Anspruch nimmt: es klappt wieder nicht mit der Internetverbindung. Vor allem dann nicht, wenn ich fast fertig bin. Das war schon gestern Abend so, das war schon in Istanbul und vielen anderen Orten so.
Ich bin jetzt in einem Loch wie ich es noch bei keiner Tour erlebt habe. Einerseits will ich so schnell wie möglich weg aus Ankara, andererseits spielt das Wetter wieder mal nicht mit, ich muss erst mal zur Busstation kommen. Ich bin hier praktisch in der Stadt und in mir selbst gefangen. Außerdem nervt es mich schon jetzt, dass noch weitere Großstädte auf meiner Tour sind. Falls ich in den Iran kommen sollte, werde ich vielleicht nur eine Nacht in Isfahan bleiben, male ich mir gerade aus. Mir fehlt zum ersten Mal die innere Kraft und die Lust, mich weiterzubewegen.

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 07 Sep 2016 19:31:45

Tag 061 - Stimmung auf dem Nullpunkt Menu