Tag 109 - Quellsee und Atomabkommen

DI, 14.07.2015 – Quellsee und Atomabkommen

Takab – Takab

 

Tacht-i Suleiman 

Am Morgen fahre ich mit einem Sammeltaxi zum Tacht-i Suleiman, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Im Zentrum dieses auf einem Hügel befindlichen Gebäudekomplexes befindet sich ein warmer Quellsee („Thron des Salomon“). Die ersten Bauten sind aus dem Jahr 224 v.Chr. Kurz davor befindet sich der Felskegel Zendan-i Suleiman („Gefängnis Salomos“).

Auf dem Gelände ist Saeid (ca. 20) mit seiner Familie unterwegs, kommt auf mich zu und wir beginnen ein längeres Gespräch über Geschichte, wie der Iran (und viele andere Länder) mit seinen Kulturgütern und der Natur umgeht und schließlich auch die Technikabhängigkeit vieler Menschen. Er kommt aus Qom, sein Vater ist von hier. Er meint, die Berge hinter uns waren vor ein paar Jahren auch im Sommer mit Schnee bedeckt. Sie nehmen mich mit zurück in die Stadt.

Es geht auch ohne: Ein Handy habe ich nicht dabei, sogar den Namen des Hotels vergessen. Als ich das Taxi, welches mich hierher gebracht hat, verlasen habe, wusste ich nicht, wie ich zurückkommen werde. Denn es ist hier weit draussen und verlassen. Die einzige Möglichkeit sind weitere Besucher des Weltkulturerbes. Und es klappt.

 

 

Internetsperre

Seit ich hier bin, hat es nicht funktioniert, die Internetsperre des Landes zu knacken, weswegen ich einige Seiten nicht erreichen kann. Entweder waren die entsprechenden Programme hierfür nicht vorhanden oder sie haben nicht funktioniert. Heute will ich es über Internetcafés probieren. Im ersten ist eine junge Frau, die aber kein Englisch spricht. Und ich glaube, sie will mir auch nicht unbedingt helfen. So gehe ich in den zweiten Laden. Hier weiss man gleich, worum es mir geht. Der Mann sagt zu mir „Germans are honest.“ ("Deutsche sind ehrlich/ Deutschen kann man vertrauen.") und holt aus einer Schubladen einen kleinen Stick. Von diesem lädt er ein Programm auf mein Laptop. Nach der Installation funktioniert alles, was ich benötige, wenn auch langsam.

 

Essen

Etwas komisch angeschaut und belächelt wird man hier auf dem Land schon, wenn man ein Essen ohne Fleisch bestellt. Das ging mir schon gestern so. Aber ich habe einfach keine Lust, jeden Tag Fleisch zu essen. Es gibt genügend gutes Essen ohne totes Tier. Und man braucht es auch nicht permanent – falls überhaupt, um körperlich etwas zu leisten. Den besten Beweis bringe ich ja gerade mit meiner Tour.

Das Brot „Nan Lavash” ist eine Spezialität von hier. Es ist sehr dünn und trocknet deshalb sehr schnell aus. Am besten besprüht man es mit etwas Wasser, bevor man es isst. Schön, es mal probiert zu haben, aber ich werde es daheim sicher nicht vermissen. Ansonsten gibt es hier aber sehr gute Brotsorten.

 

Takab

Es ist eine recht konservative Stadt was die Kleidung betrifft. Die Frauen sind hier im Gegensatz zu Urmia hauptsächlich in schwarz gekleidet. Bunt ist eher selten und die Kopftücher sind selten nach hinten gezogen.

 

Am Abend treffe ich auf dem Gang des Hotels noch drei Zürcher (alle über 50), die heute angekommen sind und morgen nach Täbris weiterreisen wollen. Sehr nett, sonst sind hier bisher nämlich so gut wie keine Gäste da. Und ich glaube, dass mich in der Kleinstadt inzwischen auch schon alle kennen.

 

 

Atomabkommen

Wegen dem heute beschlossenen Atomabkommen gibt es hier keine Feier oder Ähnliches, jedenfalls bekomme ich nichts mit. Ich werde nur in Läden darauf angesprochen und teile die Freude mit den Leuten. Die Möglichkeiten sind weitreichend. Während viele hier einfach wünschen, moderne Autos zu erhalten und die westlichen Regierungen sich wohl ebenfalls wirtschaftliche Erfolge versprechen, habe ich ganz andere Sachen im Kopf: ein Stopp von (politischen) Feindseligkeiten, Austausch zwischen Ländern reichhaltiger kultureller Schätze und Geschichte. Ich hoffe, dass dies nicht scheitert. Denn das Land hat enorm viel zu bieten, allem voran eine Jugend, die mit der im Westen sehr gut mithalten kann. Das muss man sehr vielen Menschen, die ich vor und während meiner Reise getroffen habe, aber erst mal klarmachen. Die haben vom Iran nur das einseitige Bild von der „Achse des Bösen“, verschleierten Frauen, Todesstrafe und Alkoholverbot im Kopf (siehe "Fussball, Autos und Adolf Hitler" für Deuschland). Da haben die USA sehr gute Arbeit geleistet. Nicht nur mit diesem einseitigen Klischee, sondern auch mit dem Vorbild des Alkoholverbots (1920-1933) und der Todesstrafe. Zu hoffen bleibt, dass das Land die zukünftigen wirtschaftlichen Gewinne nicht ins Militär investiert und damit im Nahen Osten Angriffskriege startet, wobei die USA leider ebenfalls als "Vorbild" dienen könnten.

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 07 Sep 2016 19:49:30

Tag 109 - Quellsee und Atomabkommen Menu