Tag 067 - Ballonfahrt über Kappadokien bei Sonnenaufgang

DI, 02.06.2015 – Ballonfahrt über Kappadokien bei Sonnenaufgang

Göreme

 

Ballonfahrt über Kappadokien

Um 4 Uhr werden wir mit dem Kleinbus abgeholt. Mit viel Glück habe ich gestern Abend gegen 22 Uhr erfahren, dass ich diese erste Fahrt, bei dem man den Sonnenaufgang erleben kann, nehmen kann. Mir wurde auch gesagt, dass der Bus mich und einige junge Frauen abholen würde, wir aber mit verschiedenen Ballons fahren würden. Ich sehe aber nur eine Frau. Schätzungsweise 40-50 Leute warten dann im Organisationszentrum auf den Flug, Kaffee und Gebäck werden angeboten. In verschiedenen Gruppen werden wir von dort mit den Bussen weiter rausgefahren. Sehr viele Ballone starten am gleichen Ort gegen 5:15. Schließlich bin ich doch mit der Mexikanerin meiner Unterkunft in einem Ballon. Ihren für mich sehr schwer zu merkenden Namen habe ich vergessen. Ich weiß aber noch, dass er aztekischen Ursprungs ist und „Stern“ bedeutet.

Die Fahrt ist wunderschön, die Bilder sagen mehr als Worte aus. Sehr schön ist die Gegend, wohnen möchte ich hier aber nicht. Die Vorstellung, dass jeden Morgen dutzende Ballone über der eigenen Wohnung schweben, schreckt mich ziemlich ab. Kann man hier auch einen Sonnenaufgang ohne Ballons erleben? Dazu die Massen an Touristen. Und immer ist jemand da, der um dein Haus schleicht, jede persönliche Bewegung fotografiert und wahrscheinlich ins Netz stellt. Und ich gehöre zu diesen Leuten. Trotzdem gut, dass ich zum zweiten Mal hier bin und die Ballonfahrt wie geplant durchgeführt habe. Man weiß ja nie, wie weit die IS noch vordringt bzw. einzelne Kämpfer ins Land schickt, die auch vor der Zerstörung von Naturdenkmälern wie den Felsformationen aus Tuff und den unterirdischen Kirchen nicht Halt macht. Für die Ballonfahrt zahle ich übrigens – als „Freundschaftspreis“ – 20€ weniger als der Regelpreis. Wie ich nach dem Flug erfahre, hat die mexikanische Teilnehmerin noch mal 20€ weniger bezahlt.

Ich habe auch weiteres Glück gehabt: die Luft war zwar etwas diesig, wie man an den Fotos erkennen kann, es gab aber  jedenfalls im Osten – keine Wolken und einen wunderschönen Sonnenaufgang. Die Ballons nach uns hatten da weniger Glück.

 

 

Ruhiger Tag

Nach der Rückkehr ins Hotel und dem Frühstück muss ich erst mal ein paar Stunden Schlaf nachholen. Beim Flicken taucht wie gestern wieder eine Nadel im Mantel auf, die ich mir bei dem schlechten Asphalt geholt haben muss. Ich habe fast nie Gegenstände in einem Mantel. Dass aber zwei auf ein mal reinkommen und bis zum Schlauch durchdringen, ist schon extrem.

Sonst will ich heute nicht viel machen, mir kein Programm aufdrücken, bei dem Regen am Mittag schon gar nicht. Programmpunkte wie die unterirdischen Kirchen und Städte oder Wanderungen lasse ich aus. Einkaufen im Supermarkt reicht eigentlich aus. Und zwei Stunden in dem kleinen Kaff rumirren auch. Was mir hier wie überall in der Türkei auffällt sind die in den letzten 30 Jahren hochgezogenen Moscheen und die Türkeiflaggen. Gut, das kenne ich auch aus anderen Ländern wie der Schweiz. Aber sympathisch ist mir dieser Nationalismus nirgends. Am Abend esse ich noch ums Eck, einen schönen Ausblick nach draußen habe ich nicht, dafür aufs Essen: Dönerteller.

 

 

Fotos

Vielleicht ist schon manchen aufgefallen, dass ich selbst fast nie auf meinen Fotos zu sehen bin. Warum auch? Jeder weiß, wie ich aussehe. Falls nicht, kann man dies hier nachschauen. Mich selbst fotografiere ich bzw. lasse mich fast nur dann fotografieren, wenn es für die Presse und somit für die Spendenaktion interessant sein könnte. Ganz klar wurde das heute beim Ballonflug. Auf den Bildern bin nur ich scharf, die Landschaft überhaupt nicht. In dem Ballon hat einfach die Distanz gefehlt, um sowohl die Landschaft wie auch mich scharf aufs Bild zu kriegen. Den wichtigen Hintergrund erkennt man also nicht, weil ich voll im Bild stehe. Bei den anderen Fotos lenken oft die anderen Ballone ab. Auf jeden Fall will ich nicht alle paar Meter vor x-beliebigem Hintergrund ein Foto von mir machen, wie ich es bei sehr vielen Leuten sehe. Es könnte ja sein, dass ich über diese Tour wieder Vorträge mache. Und wie peinlich muss das sein, wenn auf jedem zweiten Bild ich im Vordergrund erscheine? Damit geht die ganze Spannung verloren, das eigentlich Wichtige ist nur Dekoration. Ich will nicht mich in den Vordergrund stellen und präsentieren, sondern die Orte, die Gegebenheiten, Gefühle. Den Drang zu Selfies spüre ich allein schon deswegen nicht, weil ich nicht gerade fotogen bin. Damit hat sich Thema für mich erledigt.

Wenn ich schon dabei bin: Was beim Fotografieren meistens stört sind Bäume, Strommasten und -leitungen. Die letzteren stören zur Zeit besonders oft.

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