Tag 118 - Zweiter Platten und kurzer Aufenthalt in Isfahan

DO, 23.07.2015 – Zweiter Platten und kurzer Aufenthalt in Isfahan

Salafchegan – Kahrizsang/ Isfahan

 

Zweiter Platten der Tour

Wie gestern stehe ich sehr früh auf und verlasse das Gelände „Salafchegan Especial Free Zone“. So fahre ich an den beiden Pförtnern vorbei, die mich gewähren lassen. Heute sollte ich einen neuen Rekord aufstellen. Denn die 230 Kilometer bis Isfahan haben nicht viel zu bieten und wenn ich keine großen Pause einlege, ist dies auch möglich. Anfangs habe ich eine sehr schöne Strecke. Und nach 45 Minuten habe ich einen phantastischen Schnitt von 28 km/h. Ich träume von einem Schnitt von 25 km/h, womit ich es sehr gut schaffen würde, vielleicht sogar noch vor Sonnenuntergang. Allerdings habe ich nach 45 Minuten auch einen Platten, den zweiten der Tour. Ausgerechnet heute. Wenigstens passiert dies an einem Fleck, an dem es etwas steil die Straße hinunter geht, wo es schattig ist. So mache ich mich ans Flicken, merke aber beim Wiederaufpumpen, dass es wohl noch eine zweiten Platten gibt – so wie damals kurz vor der Ankunft in Kappadokien. Also das ganze noch mal von vorne. Damit ist eine ganze Stunde vergangen. Ich lasse mich deswegen aber nicht unter Druck bringen. Die Chance, heute noch in Isfahan anzukommen, wird also geringer, besteht aber noch. Ich fahre also weiter und habe nach einer schweren Weiterfahrt doch wieder irgendwann Rückenwind. Doch das Pech kommt durch eine andere Tür angeschlichen: Mit dem schnellen Einkaufen wird es nichts. Ich will nur Tomaten kaufen, es gibt bei den wenigen Häusern hier aber ausnahmsweise nur Restaurants und Kioske mit Süßwaren. Nirgends Tomaten oder Brot, wie kann das sein? Somit verzögert sich die Weiterfahrt noch mehr und ich gebe das vorgenommene Ziel Isfahan bald auf. Dazu wird es wieder ziemlich heiß.

 

 

Entscheidung für Busfahrt

In der Kleinstadt Delijan besorge ich mir neben Essen endlich auch eine iranische Simkarte. Alles zusammen dauert ziemlich lange. Besonders beim Kauf der Karte hätte ich mir Zeit sparen können. Der junge Mann, der mich dorthin begleitet, hat extra versucht, anzugeben, ich hätte keinen Personalausweis und wolle die Karte auf seinen Namen kaufen, da dies schneller geht und preiswerter ist (er selbst hätte davon keinen Vorteil). Ich habe meinen Perso aus Versehen aber doch rausgerückt, was den Vorgang sehr in die Länge zieht. Danach gehen wir noch in den Fastfoodladen seiner Mutter, wo ich aber nur etwas trinke, dafür aber umso mehr.

Weil mich hier schon anfangs verdammt viele Leute ansprechen und es nach dem Einkauf noch heißer ist, wird es mir zu viel: ich will nun mit dem Bus die 179 Kilometer nach Isfahan fahren. Überzeugende Gründe habe ich jetzt ja. Auch wenn es bis vor wenigen Stunden, wenn nicht gar Minuten überhaupt nicht meiner Wunschvorstellung entsprochen hat. Aber die Fahrt mit dem Rad an meinen Zielort hätte sich wirklich nicht gelohnt: Die Straße hat zwar fast immer einen Seitenstreifen, die Landschaft ist aber nicht unbedingt sehenswert. Meine Radtour nimmt somit schneller als geplant ihr Ende. Aus verschiedenen Gründen habe ich nicht mal die von mir gesteckte Minimalstrecke von 7000 Kilometern geschafft.

 

 

Busfahrt nach Isfahan und wieder hinaus

Die Autobahn lässt sich wie gesagt bestimmt gut mit dem Velo befahren und ist lange nicht so gefährlich wie die Einfahrten nach Istanbul oder Ankara. Zu berichten gibt es von der Strecke aber nichts. Am Busbahnhof KAVEH angekommen bin ich also am Zielort, in Isfahan. Dort will ich Behraus, der Parva genannt werden will, treffen. Vor ein paar Tagen habe ich ihn und seine Verlobte Fatima vor der Grotte Ali Sadr getroffen. Er hat mich dort angesprochen, war begeistert von meiner Tour und hat mich zu sich eingeladen. In etwa einer Stunde will er mich von hier abholen. In dieser Zeit kann ich mich hier noch umschauen. Wenigstens kann ich es hier im Iran endlich mal genießen, dass mich die Frauen zuhauf anschauen. Und zwar nicht erst dann, wenn ich schon an ihnen vorbeigefahren bin.

Nach gut einer Stunde kommt Parva und holt mich mit einem Freund ab. Es gab da wohl ein Missverständnis: Ich bin davon ausgegangen, dass er direkt in Isfahan wohnt, er wohnt aber etwas außerhalb. So packen wir meine Sachen ins Auto und fahren dann knapp 25 Kilometer in den Westen nach Kahrizsang. Er wohnt dort mit seiner Verlobten Fatima. Ihre Familie kommt von hier, seine aus dem benachbarten Viertel Goldasht. Dass sie zusammen leben und nicht verheiratet sind ist – momentan – ein noch eher ungewöhnliches Verhalten in diesem Land, aber die Dinge ändern sich. Alle Leser über 50 werden davon zu berichten wissen, wenn sie sich an früher erinnern. Die beiden richten mir ein sehr gutes Essen her, nehmen aber selber nicht so richtig daran teil, weil sie am Abend Kopfweh und Erbrechen überkommt.

Ich bin also an meinem Ziel Isfahan angekommen, habe von der Stadt aber noch gar nichts gesehen. Das hole ich morgen nach.

 

 

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