Tag 133 - Premiere: Zollgebühr fürs Tourenvelo

FR, 07.08.2015 – Premiere: Zollgebühr fürs Tourenvelo

Basel

 

Ich bin schon gestern in Basel angekommen, habe also meine Reise beendet. Warum also noch ein weiterer Reisetag? Weil es nicht nur meine Reise, sondern auch die meines Velos ist. Und das kommt erst heute an, weil man es in Istanbul nicht auf meinen Flug verladen hat. Leider wird es mir nicht wie versprochen heimgebracht, sondern ich muss es abholen. Warum? Weil ich auf dem Formular, das ich gestern ausfüllen musste, angegeben habe, ich hätte für die ganze viermonatige Tour 400 CHF für das Velo ausgegeben. Also Ersatzteile und Arbeitszeit. Und manche Mitarbeiter glauben wohl, es handle sich insgesamt um ein Neuprodukt, wollen es deswegen nicht auspacken, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Also in den Bus und über den Bahnhof SBB zum EuroAirport.

Das Velo ist da. Nicht so toll ist, dass ich am Flughafen 34,50 CHF Zoll zahlen muss für Sachen, die ich fürs Velo in Rumänien und der Ukraine eingekauft habe, die also schon 5.000 km hinter sich haben. Somit führe ich also keine neuen Produkte in die Schweiz ein. Das interessiert die Frau und den Mann vom Zollamt aber nicht. Sehr wütend zahle ich und verschwinde. Bisher ist mir das noch nie auf einer Reise passiert. Zwar musste ich schon bei der Einreise nach Syrien (2003, angenehm) und Israel (2007, unangenehm) länger warten und dufte bei dieser Tour vier (bestimmte) Grenzübergänge überhaupt nicht passieren (Serbien – Ungarn, Rumänien – Moldawien, Türkei – Aserbaidschan, Türkei – Iran). Zollgebühren hat aber noch nie jemand ernsthaft verlangt. Das ist mir neu. Wutentbrannt stampfe ich hinaus und baue mein Rad an der Busstation wieder zusammen. Normalerweise wird man bei solchen Aktivitäten angesprochen und gefragt, wo man herkomme. Ich habe aber wohl solche eine zorngeladene Ausstrahlung, dass mir niemand näher kommt. Fertig zusammengeschraubt, entschließe ich mich dazu, ausnahmsweise mal den anderen Weg zurückzufahren, also durch Frankreich, ähnlich wie gestern mit meinen Eltern. Dazu muss ich erst mal zurück ins Flughafengebäude und zum französischen Ausgang. Dort beginnt die letzte Fahrt meiner Tour. Die wenigen hundert Meter Autobahn fahre ich schnell ab, da ich mir so einen Umweg sparen kann. Weiter geht es über Saint Louis nach Basel. Wenigstens habe ich jetzt wieder alles zurück. Ich werde aber einen Brief schreiben und versuchen, die Zollgebühr zurückzuerhalten.

 

Nachtrag: Nach wiederholter Nachfrage wurden mir die 34,50 CHF Ende Dezember 2015 mit einem freundlichen Entschuldigungsschreiben und Weihnachtsgruß rückvergütet.

 

 

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 07 Sep 2016 19:55:13

Tag 133 - Premiere: Zollgebühr fürs Tourenvelo Menu