Tag 080 - Zelt an Kinder verschenkt

MO, 15.06.2015 – Zelt an Kinder verschenkt

Ziyaret – Tatvan

 

Immer bergauf, aber traumhafte Strecke

Beim Frühstück halte ich mich nicht zurück, mein Darm spielt dieses Mal besser mit. Heute muss es weitergehen. Gestern bin ich zwar ein bisschen mehr gefahren als geplant, dafür geht es heute ziemlich bergauf, übermorgen wird es bei der Fahrt nach Van wohl ziemlich hügelig werden.

Fast die ganze heutige Strecke über geht so gut wie immer bergauf, nur anfangs ist es eben. Aber es stört mich nicht besonders, denn die Landschaft ist traumhaft und zieht sich in dieser Form mit ein paar Ausnahmen schon seit dem Beginn des Landes im Westen so durch. Und immer wieder tauchen auf solchen Strecken unerwartet alte Bauwerke oder Wasserfälle auf. Oft haben die nicht mal einen Namen bzw. sind nicht mit einem Namensschild versehen. Ich kann es wirklich genießen, auf solchen Strecken zu fahren. Was sich hier ebenfalls fortsetzt, sind die zahlreichen Neubauten von Straßen, Brücken und Tunneln. So muss es vor zig Jahren in der Schweiz ausgesehen haben, als man das inzwischen sehr dichte Verkehrsnetz schuf. Allerdings macht es das Fahren öfter schwer, da viele Fahrbahnen nicht befahrbar sind und der Teer an manchen Stellen geschmolzen ist. Dafür gibt wieder zig Wasserquellen, an denen ich meine Wasserflaschen auffüllen kann – gestern war dies fast nicht möglich. Wind bemerke ich fast keinen. Obwohl, ich finde es schon seltsam, fast 4 Stunden nur aufwärts zu fahren.

Den Kindern vieler Dörfer auf der Strecke fällt nicht viel mehr ein als „Money, money!“, sie lassen oft sogar das „hello“ weg. Ich weiß nicht, ob ihnen klar ist, was sie da sagen. Auf mich macht es auf jeden Fall einen sehr schlechten Eindruck. Kommt das von der Erziehung, der Schule, den Altersgenossen? Schade, dass sie sonst kein Englisch können. Wenn ich aber direkt bei Kindern bin, sind sie eigentlich sehr angenehm und sie fragen so gut wie nie nach Geld.

 

 

 

Durch den Tunnel und ins Zelt

Kurz nach Bitlis halte ich an, um etwas zu trinken. Ein entgegenkommendes Auto hält an und ein Mann steigt aus. Er spricht mich auf Englisch an und meint, es komme gleich ein Tunnel, der knapp zwei Kilometer lang sei. Er nehme mich aber mit. Beim Blick nach vorne sehe ich, dass er Recht hat. Er und seine zwei Kollegen machen einen guten Eindruck, also lasse ich mich auf das Angebot ein. Wir unterhalten uns und ich lasse mich direkt nach dem Tunnel wieder abladen, obwohl sie mich auch weiter gefahren hätten. Während ich meine Sachen wieder aufpacke, kommen Kinder auf mich zu. Sie verlangen aber nicht nach Geld, sondern sind einfach interessiert. Hier sehe ich meine zweite Möglichkeit, endlich mein Zelt loszuwerden. Ich frage sie, wo ihr Vater sei. Der sei anscheinend nicht da. Also frage ich nach der Mutter. Diese befinde sich wohl im Haus über der Straße und dem Graben. Also gehe ich mit den Kindern dorthin und versuche, mein Angebot klarzumachen. Wie so oft gibt es keine gemeinsame Sprache. Ich hole aber den Beipackzettel, zeige die Bilder darauf und versuche mit zwei, drei Vokabeln klarzumachen, dass wir das Zelt jetzt aufbauen und sie es dann behalten können. Dabei bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich es noch zusammenbekomme. Aber das ist kein Problem und die Kinder sind mit Begeisterung dabei. Ob das Zelt am Abend aber noch stehen wird, daran habe ich meine Zweifel.

 

 

 

In der letzten halben Stunde bis Tatvan erhöhe ich die Durchschnittsgeschwindigkeit um genau einen Stundenkilometer. Dabei geht es weiter an der außerhalb der Stadt gelegenen Universität von Bitlis. Diese in den letzten Jahrzehnten sehr zahlreich gebauten Unis liegen häufig außerhalb der Städte und enthalten meistens auch eine große Moschee. Wie gesagt, ab hier läuft die Fahrt endlich zügig. Gefahren bin ich heute nicht besonders lange, dafür habe ich wegen der Hitze und den permanenten Steigungen sehr viele Pausen gemacht. Nach der Ankunft in Tatvan finde ich schnell alles, was ich brauche: zum ersten Mal auf meiner Fahrt endlich mal ein türkischer Migros, bisher hat es zeitlich nie gereicht oder ich bin an keinem vorbeigekommen.  Im Gegensatz zu den meisten anderen türkischen Migros wird hier übrigens kein Alkohol verkauft. Dafür aber Sonnencreme, die ich dringend brauche. Ein preisgünstiges Hotel finde ich ebenso schnell.

Da sich mein Laptop Malware geholt hat, kann ich heute Abend nicht wie geplant an Berichten arbeiten.

 

Meine ursprünglich geplante Reisestrecke halte ich genau ein. Das ist allerdings schade, da ich gestern 25 Kilometer darüber lag und heute wegen der extrem niedrigen Geschwindigkeit wieder alles verspielt habe. Morgen muss ich also gut 100 Kilometer fahren, sonst wird es sehr knapp. Allerdings wird es morgen ziemlich hügelig.

 

 

 

 

Video

Heute die Musik eines kleinen Wasserfalls:

 

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 07 Sep 2016 19:39:23

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